User Story: Beispiele, Template und Mapping

Eine User Story beschreibt eine Anforderung an ein Produkt aus der Sicht des Nutzers. Sie formuliert, was umgesetzt werden soll und warum diese Funktion einen Mehrwert bietet. Ziel ist es, den Fokus auf die Bedürfnisse des Anwenders zu lenken, statt sich in technischen Spezifikationen zu verlieren. Wie eine User Story aufgebaut sein sollte, Beispiele und worum es sich beim User Story Mapping handelt.

User Story
Quelle: Digitale Leute Interview mit Johannes Boyne (Engineering Lead bei BCG Digital Ventures)

Was ist eine User Story?

User Stories sind ein wichtiges Werkzeug im agilen Produktmanagement. Sie formulieren Anforderungen an ein Produkt in leicht verständlicher Alltagssprache. Üblicherweise sind sie dabei entlang folgender Vorlage aufgebaut:

Als [Nutzerrolle] möchte ich [Beschreibung der Funktion], damit [Nutzen/Mehrwert].

Ein konkretes Beispiel lautet wie folgt:

Als Online-Kunde möchte ich Angebote nach Bewertungen sortieren, damit ich eine sichere Kaufentscheidung treffen kann.

Ziel der User Story ist es, dass alle Beteiligten wie Stakeholder, Entwickler, Product Manager und Designer sofort verstehen, was benötigt wird und warum. Die Formulierung aus der Sicht des Nutzers hilft hier, sich nicht in technischen Details zu verrennen. 

User Stories schreiben: So geht's richtig

Beim Schreiben von User Stories bieten die sogenannten INVEST-Kriterien eine gute Orientierung:

  • Independent: Jede User Story sollte möglichst eigenständig umsetzbar sein, ohne in Abhängigkeit von anderen Tasks zu stehen. 
  • Negotiable: Es handelt sich nicht um starre Spezifikationen, sondern um eine Grundlage zur Diskussion zwischen dem Team und Stakeholdern
  • Valuable: Sie muss einen echten Mehrwert für Nutzer liefern.
  • Estimable: Das Product Engineering Team sollte den Aufwand für die Umsetzung möglichst präzise abschätzen können. 
  • Small: Der Umfang sollte möglichst so sein, dass er sich innerhalb eines Sprints (1 bis 4 Wochen) umsetzen lässt. Mehrere User Stories lassen sich zu einem Arbeitspaket bündeln, das auch als Epic bezeichnet wird. 
  • Testable: Ob eine User Story erfolgreich umgesetzt wurde, sollte sich anhand klarer Kriterien messen lassen. 

Ein Beispiel für eine gute User Story lautet demnach: 

Positivbeispiel: Als Projektleiter möchte ich den Status meiner Anfragen sehen, damit ich Engpässe frühzeitig erkenne.

Ein Beispiel für eine schlechte User Story lautet: 

Negativbeispiel: Als System möchte ich eine REST-Schnittstelle bereitstellen.

In dem genannten Negativbeispiel fehlt der Mehrwert. Außerdem ist es zu technisch formuliert und gibt bereits eine Lösung vor, statt eine Diskussionsgrundlage zu liefern.

Akzeptanzkriterien

Neben der Anforderung aus Nutzersicht gehören zu jeder User Story Akzeptanzkriterien. Dabei handelt es sich um konkrete, überprüfbare Bedingungen, die festlegen, wann eine User Story als erledigt gilt. Sie beschreiben aus Sicht der Nutzer:innen, was erfüllt sein muss, um mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. 

Beispiel

User Story: Als Kundin möchte ich Produkte filtern, damit ich schneller passende Artikel finde.

Akzeptanzkriterien:

  • Filter nach Preis, Kategorie und Bewertung ist möglich
  • Mehrere Filter können gleichzeitig gesetzt werden
  • Ergebnisse aktualisieren sich nach dem Setzen eines Filters
  • Es gibt eine Option „Filter zurücksetzen“

User Stories als Baustein im Product Backlog

User Stories sind ein zentraler Baustein im Product Backlog. In agilen Frameworks wie Scrum oder Kanban bildet das Backlog einen Arbeitsspeicher. Letzterer enthält eine geordnete Liste aller Initiativen, die noch zu erledigen sind. Oben stehen die wichtigsten Initiativen, unten die weniger wichtigen. 

Eine Initiative kann dabei aus mehreren User Stories oder Epics bestehen. Mehrere zusammenhängende User Stories werden als Epic zusammengefasst. Eine User Story wiederum kann mehrere Subtasks umfassen. Jede Task verfügt über eine Aufwandsschätzung und Akzeptanzkriterien. Erst wenn alle Akzeptanzkriterien erfüllt sind, gilt eine Task als erledigt.   

User Story Mapping

Während das Product Backlog eine priorisierte Sammlung von User Stories umfasst, bringt das User Story Mapping eine weitere Dimension ins Spiel: den Nutzungskontext und die zeitliche Abfolge aus Sicht der Nutzer:innen. 

Statt User Stories einfach nur untereinander zu listen, werden sie entlang der Customer Journey angeordnet. So wird sichtbar, welche Schritte Nutzer durchlaufen, welche Funktionen dafür notwendig sind und wie diese logisch zusammenhängen.

Eine User Story Map umfasst dabei folgende Elemente:

  • Backbone: Nutzeraktivitäten auf hoher Ebene, die den typischen Ablauf der Nutzung beschreiben. Sie sind horizontal von links nach rechts angeordnet und bilden die Customer Journey ab.
  • Schritte (User Steps): Konkretisieren die einzelnen Nutzeraktivitäten. Sie beschreiben, welche Handlungen Nutzer innerhalb einer Aktivität ausführen, und sind ebenfalls horizontal unter dem Backbone angeordnet.
  • User Stories: Konkrete Anforderungen aus Nutzersicht, die beschreiben, welche Funktionen benötigt werden. Sie sind vertikal unter den jeweiligen Schritten angeordnet, von minimal notwendig bis komplexer.
  • MVP-Linie: Eine horizontale Abgrenzung, die festlegt, welche User Stories für ein Minimum Viable Product zwingend erforderlich sind und welche erst in späteren Ausbaustufen umgesetzt werden.